Fürstenfeldbruck

AUSBAU DER S4

Weniger Züge als vor 25 Jahren


„Bundeshaushalt bremst S-Bahnbau“ (4. Dezember)


Die jahrelange Kette von Negativ-Schlagzeilen zu Verbesserungen der S4 zeigt das zweifache Versagen der Staatsregierung, sowohl in der Verkehrspolitik als auch in der Landesplanung. Denn laut Prognosen wird der Ballungsraum München in den nächsten Jahren um weitere 200000 bis 300000 Zuzügler wachsen (die Flüchtlinge noch nicht mitgezählt). Die Staatsregierung lässt es zu, ohne steuernd einzugreifen, und scheint sich der Tragweite ihres Nichtstuns nicht bewusst zu sein. Die Förderung von ländlichen Gebieten und die Schaffung von gleichwertigen Lebensbedingungen auf dem Lande stehen nur noch auf dem Papier. Doch der Ausbau der umweltfreundlichen Verkehrsmittel stagniert und ist einem Zuzug nicht gewachsen.

Auf dem S4-Westast Pasing-Fürstenfeldbruck verkehren sogar nachweislich weniger Züge als vor 25 Jahren, obwohl sich das Fahrgastaufkommen in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt hat. Auf Grund der vollen Züge und dem schlechten Angebot steigen in jüngster Zeit viele Pendler wieder auf das eigene Auto um. Die Auswirkungen sind dramatisch: stehender Verkehr auf der neu ausgebauten B2 vor Puchheim, wie in früheren Zeiten. Stehender Verkehr auf der A96 vor Germering. Blockabfertigung auf der A99, vor Aubinger und Allacher Tunnel.

Die Lösungen der Staatsregierung sind der sechsspurige Ausbau der A96, der sechsspurige Ausbau der A99 West, der achtspurige Ausbau der A99 Nord. Bald wird es Überlegungen geben, die erst neu gebaute B2 von Puchheim bis zur A99 vierspurig auszubauen. Und bald wird der Autobahn-Südring um München wieder aus dem Hut gezaubert. Geht’s noch? Diese Projekte kosten Milliarden und werden Ruck-Zuck durchgeboxt. Für neue Straßen ist immer genügend Geld da, während der S-4-Ausbau seit Jahrzehnten bewusst von den Verantwortlichen verschleppt wird, und seine Notwendigkeit erst durch zweifelhafte Kosten-Nutzen-Analysen beweisen muss. Die Politiker müssen blind sein, die den offensichtlichen Bedarf nicht sehen!

Die Straßenbaupolitik konnte unsere Verkehrsprobleme nicht lösen und wird sie auch nie lösen. Je attraktiver das Straßennetz ausgebaut wird, umso schneller füllt es sich mit Autos. Die Verkehrspolitik der Staatsregierung, die den Individualverkehr fördert, ist seit langem gescheitert. Um in einer Metropolregion Massen zu bewegen, müssen umweltfreundliche Massenverkehrsmittel ausgebaut werden.


Thomas Brückner, Fürstenfeldbruck